Anton Grieb wurde am 21.08.1865 in Tännesberg (Oberpfalz) als Sohn des Kammmachers Johann Baptist Grieb (1823 - 1888) geboren. Anton Grieb, der selbst auch ein interessanter Oberpfälzer war und die künstlerische Entwicklung seines Sohnes Richard natürlich mitbestimmte.
Anton Grieb hatte selbst in München die Kunstgewerbe-schule besucht, nachdem er in Regensburg das Maler-handwerk erlernt hatte. 1890 war er studienhalber zu Fuß nach Italien gewandert. Es gibt Hinweise, dass Anton Grieb dabei auch im Vatikan tätig wurde und über ein Jahr lang an der Renovierung der Sixtinischen Kapelle mitgewirkt haben soll. In diesemZusammenhang wurde er auch vom damaligen Papst Leo Xiii. zu einer Privataudienz empfangen.
Zurück aus Italien, ließ sich der Tännesberger dann 1891 als Malermeister in Straubing nieder, wo er zwanzig Jahre lang Vorsitzender der Handwerkskammer, Stadtverordneter und Mitglied des Kreistages war.
Seine liebste Tätigkeit war der Zeichenunterricht für Maler und Schlosser an der gewerblichen Fortbildungsschule. Kein Wunder, dass er unter seinen vier eigenen Buben die künstlerische Begabung seines Sohnes Richard erkannte und förderte. . Kunstbegeistert, er und sein Sohn, fuhren sie auf dem Fahrrad (dem unentwegten Begleiter Richard Griebs auf seinem ganzen Lebensweg bis zur letzten Todesfahrt) überall hin, wo es Kunst und Kunsthandwerk zu entdecken galt und zu erhalten. Urväter Haushalt wurde neu bemalt, Heimatsitten und Heimatbräuche aufgegriffen und die alten Sagen und Volkslieder machten im Hause Grieb die Runde. Manches Totenbrett mit Vers und Malerei des alten Grieb zeugt heute noch von seiner echten Volks- und Heimatkunst.
Auf diese Anregungen mag das kunstgewerbliche Interesse seines Sohnes Richard Grieb zurückgehen, mit dem er immer wieder Schatullen, Leuchter, Dosen formte und gestaltete. Seine ursprüngliche Ausbildung als Architekt aber mag ihre Begründung in der handwerklichen Begabung seines Vaters haben, der durch Farbanstrich und Renovierung der alten Häuser die Straßen und Plätze der kleinen Orte - vor allem von Tännesberg - harmonisch und geschmackvoll einzurichten verstand.
1921 war Anton Grieb wieder nach Tännesberg übersiedelt, wo er auch am 07.11.1930 verstarb.
Wenige Jahre vor seinem plötzlichen Tod erbaute er in Tännesberg hoch über der Ortschaft am Schlossberg mit seiner Burgruine ein Ausflugscafé, das "Café Schlössl", in dem er auch wohnte und nebenan eine kleine Gäste-Pension. Beide Gebäude bestehen heute noch, blieben aber damals, auch wegen seines frühen Todes, nicht lange im Familienbesitz.
Seinem Andenken als treuen Oberpfälzer und großen Heimatkünstler wurde der folgende Aufsatz von Professor Burger gewidmet (Der Arber - Monatsblätter für Heimat-Geschichte und Volkstum vom 24.11.1932):
"Einen Malersmann, schlicht und einfach hat man zu Grabe getragen. Trauernd stand seine Heimat-gemeinde Grieb war ein Mann der Wahrhaftigkeit, großen Gesten war er feind. Er hasste laute, leere Worte. Sein reiches Innenleben verbarg er unter harter Schale. Tännesberg an seinem Grabe und in stillem Weh gedenken seiner seine vielen Freunde. Es schied mit ihm für immer ein echter Künstler, ein warmer Freund seiner Heimat, ein Oberpfälzer alten Schrots und Korns. Der Tod riß ihn aus seinem schaffensfrohen Dasein. Wenn auch jäh und plötzlich, so durchkreuzte er doch so manche Pläne, die der Verstorbene noch gar zu gern verwirklicht hätte.
Ein Idealist reinsten Wassers. Darum kann es auch nicht Wunder nehmen, dass er oft in seiner langen Wirksamkeit als Stadtrat in seiner ihm zur zweiten Heimat gewordenen schönen Stadt Straubing viel Erfolg - oft aber auch bittere, bittere Enttäuschung erlebt.
Der Albrecht-Dürer-Verein in Straubing verdankt ihm sein Dasein, wie er auch als geistiger Urheber des dortigen Schillerdenkmals anzusprechen ist. Er griff aber durch und ließ sich so leicht nicht entmutigen, und seine dortige Wirksamkeit lebt auch nach seinem Tode weiter. Nicht nur der Heimatschutzgedanke, den er stets förderte, sondern vor allem der genossenschaftliche Aufschwung in dortigen Handwerkskreisen ist Grieb zu verdanken. Für Schulen trat er stets ein, und im Zeichenunterricht die heranwachsende Jugend, Maler und Schlosser in der gewerblichen Fortbildungsschule zu unterrichten, war sein liebstes Tun.
Im Jahre 1921 kehrte Anton Grieb in seine Heimat zurück. Auch hier saß er im Gemeinderat und war unermüdlich für das Wohl der Gemeinde tätig, und so manche gute Anregung ging von ihm aus. Nunmehr widmete er sich ganz und gar der Erhaltung heimatlicher Schönheit auf allen Gebieten.
Anton Grieb der Maler, keiner der Modernen, trotzdem er jedem Is-mus volles Verständnis entgegenbrachte, ging vom Volkstum aus. Heimatbräuche und Heimatsitten zu erhalten und zu pflegen, war sein Streben. Sein angeborener Idealismus und sein poetisches Gemüt, seine treuen Begleiter durch das ganze Leben, waren führend für sein Schaffen, und im Urväter Hausrat fand seine Phantasie reichsten Nährboden; jedes Tieres heimliche Sprache war ihm wohlbekannt, und jeder grüne Grashalm regte ihn zum Schaffen an und machte ihn zum positiven Gestalter. Malend, dichtend, kleisternd, zeichnend - ging er still und selbstlos seinen Weg.
Grieb allein war es, der das Antlitz des Marktes Tännesberg veränderte und ihm wiederum zur alten schönen Gestalt verhalf. Auch echtem Handwerksgeist der alten Meister gab er durch Farbanstrich den alten Häusern Harmonie und Rhythmus. Was längst verschwunden war, Grieb holte es hervor und gab so dem alten schönen Ortsbild wiederum Charakter. Und wer kennt nicht als Oberpfälzer die einst so schöne Sitte unserer Totenbretter, diese stille Heimatpoesie, die Lebende den Toten zollte?
Fast ganz verschwunden sind die stillen Angedenken, auf denen einst der Tote lag und die oft in kurzen Worten viel Schicksalsschweres zu erzählen wussten. Grieb aber hat diese schöne Sitte neu gehoben, und in einer großen Anzahl schmücken diese schönen Werke unsere Wälder, unsere Fluren. Überrascht bleibt mancher Wanderer stehen und liest in stiller Trauer die schlichten Verslein und betrachtet die Bildchen. Hier ist wahre Volkskunst, Heimatkunst gegeben. Ob Grieb dem Maler oder dem Poeten mehr den Vorzug zugesprochen werden muss, ich weiß es nicht. Es sind schlichte Verse, die das Volksgemüt ergreifen und fromm ist ihr Sinn, aber witzig oft der Strophen Wendung. Dass der Meister diese schöne Sitte neu geschenkt, verdient nicht allein den Dank der Tännesberger, sondern jeder Sohn der Oberpfalz wird dies zu schätzen wissen.
Als echter Bayer war er auch lebensfroh, ein lieber Mensch und guter Vater seines Hauses, und gerne war man bei ihm Gast. Wie glänzten oft die Äuglein Griebs, wenn in seiner Tafelrunde frohe Heimatweisen klangen, wenn alte Sagen dann die Runde machten und er in seiner stillen Art von längst Vergangenem so gern erzählte. Wie heimatlich und gemütlich war es dann in seinem Heim, und oft schlug spät die Glocke, bis man sich endlich trennte."
Das Totenbrett von Anton Grieb
trägt heute die Aufschrift:
"Zum frommen Gedenken an
Herrn Anton Grieb
Frei im Geiste war er von Natur
ging gern in Wald und Flur
Alle seine Werke schlummern heut
in der ganzen Welt zerstreut
So füge dich und denke nur
in der Ewigkeit gibt es keine Uhr
Wanderer bleib ab und zu stehn
um nach Gott dem Herrn zu sehn"
Der ehemalige Grabstein von Anton Grieb und seiner Tochter Sophie Grieb, die in jungen Jahren verstarb.
Der Grabstein trug deshalb (auf dem Foto leider nicht mehr lesbar) folgendes Gedicht:
"Bevor die Sommersonne
Früchte reifen konnte,
brach unsere Blüte
wilder Frühjahrssturm"
In seinem Geburtsort Tännesberg kann sich kaum jemand noch an Anton Grieb erinnern. Fast jeder Einwohner
kennt aber die "Grieb-Anlage" am Eingang zum "Geologischen Lehrpfand" am Eingang zum Schlossberg.
Aus diesem Grund hat Johann Hermann einen Gedenkstein aus Granit gestiftet.
Der Gedenkstein ist ursprünglichen dem Grabstein von Anton Grieb nachempfundenen.
Den Abschluss bildet ein Herz mit Blütenkranz.
Die Frontseite trägt eine Schrifttafel mit den wichtigsten Daten des Tännesberger Bürgers Anton Grieb.
Johann Hermann Hohenthalstr. 14,
D- 94505 Bernried
E-Mail: jopehe@gmx.de